Dienstag, 28. Februar 2017

Schnitt-Fest: Ein 1940er inspiriertes Kostüm

Willkommen zum ersten Schnitt-Fest! Alexandra von Handmade Glamour. Everyday. hat diese Linkliste ins Leben gerufen, als Sammelpunkt für alle die Schnitte selbst konstruieren oder drapieren. So eine Sammlung hat in der Nähbloggerinnen-Welt auf jeden Fall noch gefehlt!

Ich zeige heute ein 1940er inspiriertes Kostüm bestehend aus Blazer und Rock:



Trotz, dass ich schon lange nähe, habe ich mich nie an einen Blazer getraut. Für mich war das immer ein ganz kompliziertes Kleidungsstück wo man 1000 verschiedene Einlagen braucht, sämtliche Handsticharten, alles in Form Bügeln muss usw.. Das kann man natürlich so machen, so machen es die Schneider ja auch heute noch. Aber es gibt heutzutage auch Bügeleinlagen und fertige Schulterpolster und so Zeug, man muss also längst nicht so ein Theater veranstalten ;) Vielleicht mache ich das irgendwann mal so, aber für meinen ersten Blazer reichen mir die modernen Techniken allemal!

Doch von vorne, als erstes kam der Entwurf:

Ich wollte einen kurzen Blazer mit gerundetem Kragen und Puffärmel, dazu einen eher schmalen Glockenrock.
Zum konstruieren nahm ich meinen Grundschnitt zur Hand, aber der ist sehr sehr eng geschnitten. Für Kleider mag ich das, ein Blazer wird allerdings nicht so eng geschnitten und es muss auch Platz für noch etwas drunter sein. Das heißt, der Schnitt braucht Passformzugaben, wie viel das bestimmt die so genannte Passformklasse. Diese gibt an wie groß die Abweichung zu den gemessenen Körpermaßen sein soll, je nach dem was man für ein Kleidungsstück haben will. Für meinen Blazer habe ich die kleinstmögliche Passformklasse für Jacken gewählt, denn ich mag meine Kleidung grundsätzlich gerne eng anliegend.
Den Grundschnitt habe ich an verschiedenen Stellen aufgeschnitten und entsprechende Maße aus einer Tabelle aus dem Buch "Schnittkonstruktion für Damenmode" von Hofenbitzer hinzugefügt. Außerdem wurde noch an den Seiten etwas hinzugefügt und das Armloch wird vertieft und dadurch vergrößert.

Hier sieht man wo der Schnitt vergrößert wurde.

Die Passzeichen am Armloch für die Ärmel müssen angepasst werden und dann kann man sich den Ärmel vornehmen. Dort wo er an der Achsel ins Armloch kommt, wird die Naht auch vertieft und an den Seiten etwas zugegeben. Dann wird das Armloch am Oberteil ausgemessen und mit der Ärmelansatztnaht verglichen. Die Differenzen müssen nun hinzugeben werden, wofür der Ärmel an verschieden Stellen aufgeschnitten wird.
Sieht nach viel Arbeit aus, und ist es auch ;) Aber jetzt durfte ich ja endlich den eigentlichen Schnitt konstruieren. Dafür habe ich zunächst den Grundschnitt abgewandelt, so dass er statt Abnähern Wiener Nähte hat.
Das habe ich dann nochmal abgepaust und eine Erhöhung für die Schulterpolster, den Übertritt für die Knopfleiste und schließlich den Kragen gezeichnet. Mein Entwurf sah zunächst hinten einen Schlitz, den habe ich aber verworfen, da die Jacke ohnehin sehr kurz ist. Den Ärmel habe ich so umkonstruiert, dass er aus zwei Teilen besteht und an der Ärmelkugel Kräuselweite hinzugefügt.
Die Futterteile wurden extra angefertigt, da sie ein bisschen anders als das äußere Kleidungsstück sind. Beispielsweise besteht das Rückenteil aus einem Teil, hat in der Mitte eine Bewegungsfalte und Abnäher statt Teilungssnähte.

Das fertige Schnittmuster.
Alles im Allem habe ich für den Schnitt einen ganzen Tag gebraucht.
Zum Rockschnitt gibt es nur wenig zu sagen, er kam erst später dazu, aber es ist nur ein einfacher Glockenrock den ich so angepasst habe, dass er genau auf 90cm Stoff passt, mehr hatte ich nämlich nicht übrig ;)


Überhaupt hätte ich den Blazer lieber aus einem gefärbten Salt'n'Peppper Stoff gemacht, so im drehumdiebolzeningenieur-Style, aber der Stoff hat leider nicht gereicht! Die Ärmel nehmen unheimlich viel Platz weg.

Der Stoff den ich jetzt verwendet habe, ist eigentlich ein Fehlkauf, aber er war geeignet und außerdem musste ich das mit Kostüm ja eh erst mal ausprobieren. Insofern ist das jetzt ein tragbares Probeteil. Da der Stoff etwas labbelig daher kommt habe ich ihn für den Blazer komplett mit Batist unterlegt:


Außerdem habe ich mir einen den Craftsy Kurs "Modern Jacket Techniques" gegönnt und habe so wie es dort gezeigt wird die Einlagen aufgebügelt.
Weil ich kein fertiges Schnittmuster habe und noch nie einen Blazer genäht habe, hatte ich keine Ahnung wie so ein Blazer eigentlich zusammen kommt. Der Craftsy Kurs enthält keine komplette Anleitung, es werden nur einzelne Techniken gezeigt sowie ein paar generelle Tipps gegeben.
Aber es gibt ja noch YouTube und dort habe ich einen sehr tollen Kurs gefunden, wie man einen Blazer näht. Es wird dort gezeigt wie ein Blazer in der Bekleidunsindustie genäht wird, demnach sind alle Techniken auf Schnelligkeit optimiert, zum Beispiel werden Nahtzugaben nicht gekürzt sonder von vornerein so zugeschnitten wie sie später sein sollen, die Schnitteile haben haufenweise Klipse, Abnäher werden mit Bohrlöchern markiert und es werden fast keine Stecknadeln verwendet. Nur als Vorwarnung bevor euer Weltbild jetzt ins wanken gerät :D


Zur Passformprüfung habe ich den Blazer zunächst nur geheftet. Er passte auf Anhieb sehr gut, nur ein paar kleine Anpassungen waren nötig.

Was mir aber nicht gefiel waren die Puffärmel - ich mag ja gepuffte Ärmelkugeln aber zusammen mit den Schulterpolstern war mir das dann doch zu arg. Es war aber kein Problem den Ärmel wieder abzuändern.
Danach bin ich einfach dem Kurs gefolgt und auch sehr schnell fertig geworden. Kann den also nur empfehlen!
Hier ein Bild in Progress, nachdem ich die Ärmelfische einsetzt habe. Diese bestehen bei mir aus schräg zugeschnittenem Molton.


Beim nächsten Blazer würde ich den Kragen noch anpassen, ich finde er liegt nicht so schön. Ich schätze er braucht am Rand noch etwas mehr Weite und eine festere Einlage. Außerdem dürften die Ärmel noch etwa 1,5cm länger sein sowie auf Ellenbogenhöhe etwas schmaler. Ich habe am Saum keine Einlage verwendet, daher fällt er ein bisschen in sich zusammen. Beim nächsten Mal verwende ich lieber Einlage. Auf die aufgestetzen Taschen am Blazer habe ich verzichtet, die wären in dem Muster ohnehin untergegangen.


Auf den Bildern gefällt mir das Kostüm sehr gut, um Alltag käme ich mir aber irgendwie ein bisschen verkleidet vor. Ich glaube aber, das liegt hauptsächlich an der Farbe und dem Muster... ich finde die Farbe steht mir nicht ganz so gut und das Muster wirkt doch etwas altbacken...
Für das nächste Kostüm liegt hier jedenfalls ein mintfarbener Velveton bereit :)



Und hier geht es zum Beitrag von Handmade Glamour. Everyday. ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Beiträge!

Kommentare:

  1. Mintfarben klingt ganz hervorragend, obwohl ich dieses Kostüm auch schon sehr hübsch finde. Das Muster wäre mir auch etwas zu viel, aber Schnitt und Passform gefallen mir ausgesprochen gut. Hut ab vor der tollen Leistung! :)

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  2. Hey! Wow wow wow!
    Wir kennen uns ja nicht, daher meine subjektive Meinung: Das geht auch für den Alltag! Vor allem, wenn Du noch weitere Kostüme nähst (und nicht unbedingt im OP arbeitest) ist das alles auch tragbar. Altbacken finde ich das nicht .. vll. liegt es auch daran, dass ich solche Muster generell toll finde ;-)

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  3. Ich bin überrascht, wie gut Dir dieses Muster und die Farbe stehen. Aber am meisten hat mich das Foto Rock-Shirt überzeugt. Ich würde beide Teile also eher getrennt tragen. Vor Deinen Blazer-Konstruktionskünsten ziehe ich den Hut. Passt super das Teil. Liebe Grüße von Ina

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    1. Danke dir, ja ich denke auch, dass ich die Teile ganz gut getrennt tragen kann und gerade der Rock lässt sich ganz gut kombinieren!
      Liebe Grüße,
      yacurama

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  4. Wow, das sieht wahnsinnig toll aus und sitzt einfach perfekt. Wirklich "haute couture"....

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  5. Die Silhouette, die Blazer und Rock zusammen ergeben, finde ich sehr, sehr toll. 40er sind ja eher nicht meins, aber in Deiner Interpretation gefällt mir das sehr. Die Linienführung ist wirklich toll gelungen. Wie viel Mehrweite ist denn jetzt im Jacket? Auf den Fotos hast Du ein T-Shirt an. Würde eine Bluse, die ja weitere Ärmel hat, auch noch passen?
    Zum Thema Alltagstauglichkeit: Evtl. ließe sich das Gefühl von bieder etwas aufbrechen, in dem Du mit Shirt, Strümpfen und Schuhen farblich voll dagegen gehst?

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  6. Hallo, ich habe an der Brust 8cm und an der Taille 6cm, also wirklich sehr eng aber eine Bluse geht noch drunter. Das sieht dann allerdings wirklich arg bieder aus :D
    Ich bin nicht so der Typ für Farbkontraste, evtl. würde es dann clownig aussehen und extra neue Schuhe und Strümpfe kaufen, nur um das Kostüm tragbar zu machen will ich auch nicht. Ich sehe es wie schon geschrieben eher als Probemodell und außerdem ist mir aufgefallen, dass ich sonst nichts für eine Beerdigung im Schrank hätte :D ;)
    Liebe Grüße und Danke,
    yacurama

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  7. Das Kostüm ist perfekt, ich bin hin und weg! Die Farbe steht dir, das Muster ist schön und sogar passgenau auf den Teilungsnähten. Die Form ist elegant und für täglich schon zu schick. Ich finde, da man auch mal was für Anlässe braucht, sollte man Unterschiede machen in seiner Kleidung. Das Styling passt doch, und meiner Meinung nach kann auch eine weiße Bluse dabei sein. Auch wenn ich jetzt altmodisch sein sollte, mir gefällt`s! -Kragenkonstruktion vielleicht erstmal an einer Büste aufstecken, das passt nicht immer gleich mit den Winkeln, und Rollweite nicht vergessen. Regina

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  8. Heu dascsiehtcfoch super aux uns jedescTeil einzeln jacks au jeans, rock au lederjacke zum beispiel mac ben dadais si cher d'en Nallet lg aco06

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