Sonntag, 24. April 2016

Ankündigung: Film und Serien Sew-Along 2016


Letztes Jahr starteten Karin und Luzie den tollen und bisher einmaligen Film und Serien Sew-Along. Trotz der langen Vorbereitungszeit, die dieser Sew-Along zuließ war ich etwas ideenlos. Denn bis dato hatte ich eigentlich nur sehr selten der Kleidung in Filmen Beachtung geschenkt - jedenfalls nicht so, dass ich dachte ich könnte mir das eine oder andere Teil nachnähen, ich habe sie einfach nur als Filmelement betrachtet ;) Daher viel mir einfach nichts ein, was ich zu dem Sew-Along betragen konnte. Danach begann ich allerdings stärker auf die Kleidung in Filmen und Serien zu achten, was mit der Serie 'Mad Men' begann, wo ich meine Vorliebe für Kleidung aus den 50ern und 60ern entdeckte.

Und dann vor etwa einem Monat der Film Ku'damm 56! Die Kleidung dort ist nicht zwar nicht so "besonders" doch gerade dadurch auch wieder alltagstauglich, so dass ich mir den Film gleich zweimal hintereinander angeschaut habe um mir die Schnittdetails ganz genau anzuschauen.

Zunächst kam mir die Idee zu dem Film einen Sew-Along zu machen, aber, na zu speziell. Kürzlich unterhielt ich mich mit Muriel, über Kleidung und Filme/Serien und über den geplanten Podcast zu dem Thema. Ja, wie war das nochmal mit #FUSSA letztes Jahr, ist eine Fortsetzung geplant? Mit freundlicher Genehmigung von Karin kann ich mich nun selber der Fortsetzung widmen. Und ich bin mir sicher es machen wieder viele mit, denn Filme und Serien sind wirklich ein unerschöpflicher Reichtum an Inspiration für Kleidung :)

Der Zeitplan sieht so aus:

22.05.2016 Inspiration und Ideensammlung

05.06.2016 Planung, Stoffe und Schnitte

26.06.2016 Erster Zwischenstand

17.07.2016 Finale :)

Die Phase der Inspiration ist wieder bewusst lange gehalten, denn den einen oder anderen Film muss man sich vielleicht doch noch mal ansehen, oder erst die DVD-Box der alten Lieblingsserie entstauben... Danach habe ich den Zeitplan etwas lockerer als üblich gehalten, ich persönlich finde das besser so, ich hoffe ihr auch? So haben auch langsame Näherinnen *räusper* mehr davon, oder man kann gleich zwei, drei Kleidungsstücke oder eine Komplettoutfit kreieren.

Das Bild oben dürft ihr gerne verwenden, es ist ursprünglich ein Plakat des Films "River Lady" von 1948. Eine kleinere Version, z.B. für die Sidebar, hätte ich noch hier:

Mittwoch, 20. April 2016

Me Made Mittwoch: Das Zuckerrosen-Kleid

Diesen wunderschönen Rosen-Stoff habe ich letztes Jahr auf der Nadelwelt gekauft und mir kam sofort das Hochzeitskleid von Dolly Clackett in den Sinn. Heiraten hatte ich nicht vor, aber für ein Frühlingskleid sollte er auch passen.


Der Schnitt ist selbst konstruiert, ein kleine Nachahmung des Simplicity 7599-Schnitts und auch eine Rache an diesem. Das Kleid habe ich ganz am Anfang dieses Blogs mal genäht, fast 2,5 Jahre her - ohje wie die Zeit vergeht! Ich nähe zwar schon viele viele Jahre, doch ich hatte immer nur Burda genäht und meistens Jersey. Dass die Nahtzugaben bei diesem Schnitt schon dabei sind, habe ich irgendwie überlesen und fleißig 1,5cm hinzu gegeben. Außerdem wusste ich noch nichts davon, dass die Amerikanischen Schnittmuster ein bis zwei Größen zu groß ausfallen. Von Figuranpassungen wusste ich auch noch nicht viel.


Was habe ich in den letzten Jahren dazugelernt!
Das Oberteil hat Raglanärmel, die eine Naht auf der Oberseite haben, quasi als verlängerter Abnäher. Im Gegensatz zu dem Simplicity-Schnitt sind meine Linien viel geschwungener, das mag ich.


Mir gefallen die Raglanärmel sehr gut, viel einfacher zu nähen und die Bewegungsfreiheit ist wirklich gut, trotz dass die Ärmel recht eng gehalten sind.

Der Ausschnitt ist mit Paspeln eingefasst, die mich ein klein wenig zur Verzweiflung gebracht haben, was aber wohl vor allem daran liegt, dass ich damit noch keine Routine habe und ich bei diesem Kleid echt sehr hohe Ansprüche an mich gestellt habe, was die Genauigkeit angeht. Voll so next Level, ihr wisst schon. 


Ich habe es auch wieder geschafft, einen abstehenden Ausschnitt zu produzieren. Das kommt ja eigentlich immer vor und jedes mal fummel ich dann ein straffes Band in die Naht um ihn zu retten. Die paar mal wo ich das Band von vornherein eingenäht habe, klappte es mit dem Ausschnitt von Anfang an. Ich sollte meine Arbeitsweise überdenken ;)

Trotz der Fummeleien am Ausschnitt ging mir das Kleid doch recht flott von der Hand und ich habe meine Skills noch um ein paar Couture-Techniken erweitert. So habe ich den Reißverschluss von Hand eingenäht:


Er springt an der Taille etwas auf, was sich wohl nicht vermeiden lässt, weil das Kleid dort nun mal sehr straff sitzt. Die hintere Mittelnaht trifft auch nicht genau aufeinander, sondern überlappt sich etwas um genau diesem Effekt entgegen zu wirken, aber wenn man das Kleidungsstück sehr spannt, springt die Naht eben etwas auf, oder kennt da jemand einen Trick?

Des weiteren habe ich den Saum des Rocks per Hand genäht - oh das sieht wirklich sehr schön aus:


Die beiden Techniken waren nicht schwer und auch nicht besonders aufwändig, eher entspannend und das tolle ist, dass man jederzeit volle Kontrolle über den Stoff hat und eigentlich nichts schief gehen kann :)

Hier nun noch einige Details:



Hier sieht man, wie ich die Anordnung der Belege gelöst habe. Wie schon häufig gemacht, sind sie mit Schrägband eingefasst:


Das Kleid ist nicht gefüttert, weil ich sowieso Unterkleider trage, bzw. wenn es sehr warm ist auch froh um jede Schicht weniger bin ;)

Die Nachttaschen sind mit französischen Nähte genäht,denn ich bekomme die Nähte mit der Ovi bei so starken Kurven einfach nicht schön hin:


Ich kann es kaum glauben, doch ich habe ein Kleid genäht mit dem ich mal ganz und gar zufrieden bin! Ich finde tatsächlich nix zu mäkeln :D

Übrigens hatte ich ursprünglich geplant eine Taillenpasse mit Paspeln einzunähen, habe es aber verworfen, weil ich die Befürchtung hatte, das Kleid könnte dadurch zu Zuckerprinzessinputzig werden und mit gemusterten Stoffen tue ich mich auch immer schwer zu viele Details einzuarbeiten. Sie stehlen dem Stoff dann die Show. Trotzdem wollte ich es mal mit einem Gürtel probieren und eigentlich auf der Suche nach einem weißen, habe ich diesen mauvefarbenen gefunden, der ganz wunderbar passt:


Soviel von mir an diesem Mittwoch, noch mehr kreative Menschen in selbst genähter Kleidung gibt es auf dem Me Made Mittwoch-Blog zu sehen!

Mittwoch, 6. April 2016

Me Made Mittwoch: Das Köln-Kleid

Endlich kommen die ersten frühlingshaften Tage und passend dazu ich habe dieses Streifen-Kleid fertig gestellt. In meinem Kopf trage ich schon ewig die Idee mit mir herum, ein creme/blau-gestreiftes Kleid mit V-Ausschnitt zu nähen, und dabei die Streifen parallel zum V-Ausschnitt laufen zu lassen. Der gestreifte Baumwoll-Jersey den ich bei Stoff & Stil zum Bloggertreffen in Köln gefunden habe, passte da genau in meine Vorstellung!


Der Schnitt ist selbst konstruiert, und ziemlich einfach: Der Brustabnäher wird zur Mittelnaht gelegt, statt den Abnäher zu nähen,wird eine Raffung gemacht. Der Rock mit Abnähern wurde zum Glockenrock gemacht. Das war schon alles!

Zunächst habe ich das Oberteil geheftet, und das sah ziemlich gut aus. Als ich es dann mit der Overlock genäht habe aber plötzlich nicht mehr... anscheinend möchte dieser Stoff nicht mit der Overlock genäht werden. Da ich zudem am Ausschnitt auf Stütznähte verzichtet habe, war der Ausschnitt ziemlich ausgeleiert. Da musste ich noch mal zuschneiden. Da habe ich dann gleich brav Stütznähte gemacht und alles mit einem normalen Geradstich zusammen genäht. Sah gleich viel besser aus!


Das Rückenteil habe ich in geradem Fadenlauf zugeschnitten, um ein bisschen Ruhe rein zubringen.


Die Spitze am Saum ist für mich eigentlich eher ungewöhnlich, ich mag solcherlei Spielereien ja eher weniger. Schuld an der Spitze ist mein neulich erworbener Saumabrunder. Jetzt merke ich nämlich, dass meine Röcke hinten höher sind als vorne. Nach einer Runde mit dem Saumabrunder war dann klar, dass ich den Rock vorne um einiges kürzen musste :(


Ich kann es inzwischen überhaupt nicht mehr leiden, wenn meine Knie frei sind, ich fühle mich dann irgendwie nackt...! Also Saum nur 5mm umgeschlagen und mit der Spitzenborte versehen, die eigentlich für Schlüpfer gedacht war :)


Ich habe bei solchen Experimenten immer ein bisschen die Befürchtung, man könnte sehen, dass hier versucht wurde was zu retten ;) aber ich denke die Spitze macht sich wirklich ganz gut hier.


Der Beleg am Vorderteil ist angeschnitten und mit ein paar Handstichen an der Mittelnaht befestigt. In der Taille ist ein Gummiband, so mache ich das inzwischen ganz immer bei Jersey-Kleidern. Alle Nähte sind mit einem Geradstrich zusammen genäht, die Nahtzugaben habe ich mit der Overlock "versäubert". Die Taschen sind aus Futterstoff.


Hier ist noch der Beleg des hinteren Halsausschnitts zu sehen, es ist einfach ein schmaler Jerseystreifen, doppelt gelegt und angenäht, dann nach innen umgeschlagen und mit einer Zwillingsnadel abgesteppt. Genauso ist habe ich bei meinem Vogue-Weihnachtskleid nach Anleitung gemacht und das geht echt gut.

Trotz dass ich einen Saumabrunder verwendet habe, kommt mir jetzt wo ich die Fotos so sehe der Saum vorne trotzdem zu hoch vor. Mag vielleicht auch daran liegen, dass man auf Fotos grundsätzlich eine bessere, ergo aufrechtere Haltung, einnimmt. In Zukunft werde ich jedenfalls etwas mehr Zugabe am Saum geben.
Beim nächsten Mal würde ich außerdem zu der Raffung vorne etwas mehr zugeben. Irgendwie ist mir beim konstruieren nicht einfallen wie ich das machen soll, als das Kleid dann fast fertig war, ist der Groschen dann gefallen :D Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit dem Kleid und es wird im Frühling und Herbst sicher häufig getragen.

Noch mehr kreative Menschen in selbst genähter Kleidung gibt es auf dem Me Made Mittwoch-Blog zu sehen!

Sonntag, 3. April 2016

Back to Basics: Der Basisschnitt

Ich habe ja lange nichts mehr zu meinem Basisschnitt geschrieben... was ist passiert? Letzter Stand war ein gut sitzendes Oberteil mit einem okay sitzenden Rock und die Angst vorm Endgegner im Nähzimmer: Der Ärmel.
Aber wie fing es eigentlich an? Mein Basisschnittmuster war die McCalls "Fittingshell" M2718. Ursprünglich war geplant herauszufinden, welche Anpassungen ich so grundsätzlich für Schnittmuster vornehmen muss. Irgendwann kam ich jedoch auf die Idee mit einem Basisschnitt eigene Schnitte zu konstruieren, so wie ich sie mir vorstelle und von Anfang an gut sitzend. Denn vom Abpausen, Probemodellen und stundenlangen Anpassungsorgien hatte ich eigentlich genug.


Eigentlich sollte das Anpassen dieses Schnitts ja nicht viel anders sein, als das übliche Anpassen bei Schnittmustern. Zu blöd nur, dass ich mit meinen bisher angepassten Schnitten ja auch nicht so hundertprozentig zufrieden war... Das Oberteil bekam ich, wie schon geschrieben ganz gut hin, der Rock aber, der war schon schwieriger. Der saß zwar beim letzten Post schon ganz gut, aber auch nur solang man sich damit nicht zu viel bewegte, die Abnäher und die Seitennaht waren halt doch noch nicht ganz stimmig. Tja, und dann die Ärmel. Die habe ich dann erstmals selbst konstruiert zunächst nach Gilewska dann nach Suzy Furrer. Die saßen zwar erst mal ganz okay, aber ich habe sie einfach nicht angepasst bekommen. Alles endete irgendwie immer in viel zu viel Mehrweite, die ich nicht mehr ins Armloch verteilt bekam und mit komischen Falten am Hinterarm. 


Ich habe viele frustrierende Wochenenden im meinem Nähzimmer verbracht, immer auch im Austausch mit Julia von sewing galaxy, die mir wirklich gute Tipps gab, aber irgendwie habe ich das einfach nicht hinbekommen. Es kam mir jedes mal nur noch schlimmer vor. Aus lauter Verzweiflung habe ich dann beschlossen den weiten Weg zu Julia zu fahren damit sie mir beim Anpassen hilft. Ein, zwei Wochen vorher meinte sie zu mir, ob ich nicht noch einen Schnitt nach Hofenbitzer konstruieren könne... Das fand ich im ersten Moment nur doof und unverschämt (sorry Julia ;)), ich hatte doch schließlich schon so viel Arbeit in den McCalls Schnitt gesteckt und jetzt sollte ich noch mal von vorne anfangen?!? Aber ein paar Tage später habe ich mir das Buch bestellt und mich von Muriel ausmessen lassen.


Im Buch ist auch eine Tabelle wo alle Maße für die gängigen Konfektionsgrößen stehen. Der Vergleich mit meinen eigenen Maßen hat mir ziemlich die Augen geöffnet. Natürlich habe ich auch vorher schon Maße genommen. Aber hauptsächlich arbeitete ich bis dahin mit Brust- Taillen- und Hüftumfang. Längenmaße hatte ich kaum genommen. Interessant fand ich es dann als ich mal meine Hüfttiefe - das ist der Abstand zwischen Taille und weitester Stelle an der Hüfte - mit den Maßen aus der Tabelle verglich. Das Maß war so groß, das stand da gar nicht da drin. Das heißt ich muss die Stelle zwischen Taille und Hüfte eigentlich bei allen Schnittmustern verlängern - so wie es eigentlich nur so sehr große Leute machen müssen. Darauf kann man ja mit einer Größe von 1,66m nicht kommen :D Da wurde mir auch ganz schnell klar warum eng an liegende Röcke bei mir nie richtig saßen!


Jedenfalls habe ich mich dann ans konstruieren gemacht, ziemlich komplizierte Sache, aber machbar. Gezweifelt habe ich schon, , beim Konstruieren, Zuschneiden und Heften dachte ich: das Ding passt nie. Aber ich zog es an und war echt baff! Sogar mein Freund meinte: Musst du dann überhaupt noch nach Düsseldorf fahren?
Ja, der Grundschnitt saß wirklich, wirklich gut. Trotzdem bin ich dann zu Julia gefahren, ich hatte ja noch den Ärmelboss vor mir... Julia hat den Grundschnitt noch ein bisschen an mir angepasst, vor allem an der Brust war er zu eng, was aber an einem kleinen Messfehler lag. Hauptsächlich hat sie im Schulterbereich angepasst. Als ich den Schnitt später zu hause auseinander genommen habe, sah ich aber dass die Anpassungen wirklich minimal waren. Den Ärmel habe ich dann bei ihr konstruiert und sie hat mir gezeigt wie man den richtig einsetzt. Viele meiner Ärmelprobleme kamen wohl von falschem Einsetzen.
So sah der Schnitt dann aus:


Den roten Stoff habe ich sehr günstig bekommen. Leider ist er nicht so geeignet für Fotos, ich hoffe ihr werdet nicht blind ;)
Ich habe ihn dann auseinander genommen, die Änderungen auf den Schnitt übertragen und noch mal neu genäht. Leider bekomme ich die Ärmel nicht ganz so toll wie Julia eingesetzt, aber alles in allem passt er wirklich sehr gut:

Nur an der Brust noch ein wenig zu eng und der Saum muss noch angepasst werden.


Ich hätte niemals gedacht dass ein nach eigenen Maßen konstruierter Schnitt so gut sitzen kann. Die ganze Zeit dachte ich, mit meiner "Problemfigur" wird das doch eh nichts. Jetzt im nach hinein total unlogisch und doof :D Nun bin ich sehr froh einen gut sitzenden Basisschnitt zu haben, mit dem ich jetzt selber konstruieren kann. Aber auch für Fertig-Schnittmuster ist es sehr hilfreich, meine eigenen Maße genau zu kennen.
Was ich jetzt noch brauche ist ein Basisschnitt mit Prinzess-Nähten und ein Jersey-Basisschnitt. Ich denke mit dem was ich alles gelernt habe bekomme ich das gut hin.
Ich möchte hier noch mal Julia und Muriel danken die mir bei meinem Basisschnitt viel geholfen haben :)