Sonntag, 3. April 2016

Back to Basics: Der Basisschnitt

Ich habe ja lange nichts mehr zu meinem Basisschnitt geschrieben... was ist passiert? Letzter Stand war ein gut sitzendes Oberteil mit einem okay sitzenden Rock und die Angst vorm Endgegner im Nähzimmer: Der Ärmel.
Aber wie fing es eigentlich an? Mein Basisschnittmuster war die McCalls "Fittingshell" M2718. Ursprünglich war geplant herauszufinden, welche Anpassungen ich so grundsätzlich für Schnittmuster vornehmen muss. Irgendwann kam ich jedoch auf die Idee mit einem Basisschnitt eigene Schnitte zu konstruieren, so wie ich sie mir vorstelle und von Anfang an gut sitzend. Denn vom Abpausen, Probemodellen und stundenlangen Anpassungsorgien hatte ich eigentlich genug.


Eigentlich sollte das Anpassen dieses Schnitts ja nicht viel anders sein, als das übliche Anpassen bei Schnittmustern. Zu blöd nur, dass ich mit meinen bisher angepassten Schnitten ja auch nicht so hundertprozentig zufrieden war... Das Oberteil bekam ich, wie schon geschrieben ganz gut hin, der Rock aber, der war schon schwieriger. Der saß zwar beim letzten Post schon ganz gut, aber auch nur solang man sich damit nicht zu viel bewegte, die Abnäher und die Seitennaht waren halt doch noch nicht ganz stimmig. Tja, und dann die Ärmel. Die habe ich dann erstmals selbst konstruiert zunächst nach Gilewska dann nach Suzy Furrer. Die saßen zwar erst mal ganz okay, aber ich habe sie einfach nicht angepasst bekommen. Alles endete irgendwie immer in viel zu viel Mehrweite, die ich nicht mehr ins Armloch verteilt bekam und mit komischen Falten am Hinterarm. 


Ich habe viele frustrierende Wochenenden im meinem Nähzimmer verbracht, immer auch im Austausch mit Julia von sewing galaxy, die mir wirklich gute Tipps gab, aber irgendwie habe ich das einfach nicht hinbekommen. Es kam mir jedes mal nur noch schlimmer vor. Aus lauter Verzweiflung habe ich dann beschlossen den weiten Weg zu Julia zu fahren damit sie mir beim Anpassen hilft. Ein, zwei Wochen vorher meinte sie zu mir, ob ich nicht noch einen Schnitt nach Hofenbitzer konstruieren könne... Das fand ich im ersten Moment nur doof und unverschämt (sorry Julia ;)), ich hatte doch schließlich schon so viel Arbeit in den McCalls Schnitt gesteckt und jetzt sollte ich noch mal von vorne anfangen?!? Aber ein paar Tage später habe ich mir das Buch bestellt und mich von Muriel ausmessen lassen.


Im Buch ist auch eine Tabelle wo alle Maße für die gängigen Konfektionsgrößen stehen. Der Vergleich mit meinen eigenen Maßen hat mir ziemlich die Augen geöffnet. Natürlich habe ich auch vorher schon Maße genommen. Aber hauptsächlich arbeitete ich bis dahin mit Brust- Taillen- und Hüftumfang. Längenmaße hatte ich kaum genommen. Interessant fand ich es dann als ich mal meine Hüfttiefe - das ist der Abstand zwischen Taille und weitester Stelle an der Hüfte - mit den Maßen aus der Tabelle verglich. Das Maß war so groß, das stand da gar nicht da drin. Das heißt ich muss die Stelle zwischen Taille und Hüfte eigentlich bei allen Schnittmustern verlängern - so wie es eigentlich nur so sehr große Leute machen müssen. Darauf kann man ja mit einer Größe von 1,66m nicht kommen :D Da wurde mir auch ganz schnell klar warum eng an liegende Röcke bei mir nie richtig saßen!


Jedenfalls habe ich mich dann ans konstruieren gemacht, ziemlich komplizierte Sache, aber machbar. Gezweifelt habe ich schon, , beim Konstruieren, Zuschneiden und Heften dachte ich: das Ding passt nie. Aber ich zog es an und war echt baff! Sogar mein Freund meinte: Musst du dann überhaupt noch nach Düsseldorf fahren?
Ja, der Grundschnitt saß wirklich, wirklich gut. Trotzdem bin ich dann zu Julia gefahren, ich hatte ja noch den Ärmelboss vor mir... Julia hat den Grundschnitt noch ein bisschen an mir angepasst, vor allem an der Brust war er zu eng, was aber an einem kleinen Messfehler lag. Hauptsächlich hat sie im Schulterbereich angepasst. Als ich den Schnitt später zu hause auseinander genommen habe, sah ich aber dass die Anpassungen wirklich minimal waren. Den Ärmel habe ich dann bei ihr konstruiert und sie hat mir gezeigt wie man den richtig einsetzt. Viele meiner Ärmelprobleme kamen wohl von falschem Einsetzen.
So sah der Schnitt dann aus:


Den roten Stoff habe ich sehr günstig bekommen. Leider ist er nicht so geeignet für Fotos, ich hoffe ihr werdet nicht blind ;)
Ich habe ihn dann auseinander genommen, die Änderungen auf den Schnitt übertragen und noch mal neu genäht. Leider bekomme ich die Ärmel nicht ganz so toll wie Julia eingesetzt, aber alles in allem passt er wirklich sehr gut:

Nur an der Brust noch ein wenig zu eng und der Saum muss noch angepasst werden.


Ich hätte niemals gedacht dass ein nach eigenen Maßen konstruierter Schnitt so gut sitzen kann. Die ganze Zeit dachte ich, mit meiner "Problemfigur" wird das doch eh nichts. Jetzt im nach hinein total unlogisch und doof :D Nun bin ich sehr froh einen gut sitzenden Basisschnitt zu haben, mit dem ich jetzt selber konstruieren kann. Aber auch für Fertig-Schnittmuster ist es sehr hilfreich, meine eigenen Maße genau zu kennen.
Was ich jetzt noch brauche ist ein Basisschnitt mit Prinzess-Nähten und ein Jersey-Basisschnitt. Ich denke mit dem was ich alles gelernt habe bekomme ich das gut hin.
Ich möchte hier noch mal Julia und Muriel danken die mir bei meinem Basisschnitt viel geholfen haben :) 

Kommentare:

  1. das sieht suuu-per aus!
    :-)))du bist ja witzig:-) ich ahbe das nicht statt maccalls shcnitt gemeint, sodnern zusätzlich!
    ich probiere ja schliesslich selbst immer wieder neue systeme aus und schau, was mir gefällt und manchmal wähle ich dann aus,was besser passen würde. das war zu einem.
    zum anderen, das arme mccalls war schon so stark verändert,dass es manchmal hilft, von vorne anzufangen,aber dennoch mit demselben schnitt;-)
    aber, ende gut- alles gut!
    P.S. das sytem mit einer anprobe hab ich immer noch nciht ausprobiert, im moemtn komme ich einfach nicht dazu.

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  2. Das hast du wirklich wundervoll geschrieben. Herzlichen Glückwunsch zum Bezwingen des Endgegners!

    Bin schon ganz gespannt auf dein Rosenkleid. = )

    LG Maria

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  3. Das sieht ja wohl ziemlich toll aus. Da hat sich die Mühe doch gelohnt.Gerade in der Rückansicht sehe ich, könnte man die Hüfte gleichmäßiger ausrunden also vermeiden,dass es zu eckig wird. Aber für Princessnähte brauchst du doch keine neue Konstruktion, da verlegst du nur die Abnäher, oder wie? Regina

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    1. Hallo,
      meine Hüfte ist so :| ist eigentlich auch ganz gut ausgerundet, der dünne Stoff legt sich halt gerne in die kleine Kuhle.
      Ich meine auch, dass ich den Prinzess-Basisschnitt daraus konstruiere.
      Liebe Grüße,
      yacurama

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