Mittwoch, 21. Oktober 2015

Vom Basisschnitt zum Kleid - Teil 1

Den Schnitt für mein anNÄHerungs-Kleid habe ich komplett selber gemacht, darauf bin ich sehr stolz und das Ergebnis gefällt mir sehr. In drei Teilen möchte ich nun mal zeigen, wie ich das gemacht habe. Ich möchte noch erwähnen, dass ich keine Ausbildung in der Richtung habe, mein Wissen kommt von Blogs, aus Craftsy-Kursen, Büchern und meinem Hirn ;-)
Mein anNÄHerungs-Kleid sollte in etwa aussehen wie das Ceylon Dress von Collette Patterns. Das Kleid habe ich schon länger auf dem Schirm, abgeschreckt haben mit die vielen schlecht sitzenden Beispiele aus dem Internet. Ich bin ja nicht so dafür, dass man für einen schlecht sitzenden Schnitt die Schnitte-Firma verantwortlich macht, ich denke dieser Schnitt ist schwer anzupassen, da er doch recht komplex ist. Diese ganze Anpasserei wollte ich umgehen indem ich den Schnitt von vornerein selber mache.

Mein Plan sah so aus:
-Papierschnitt aus Basisschnitt erstellen
-Nesselmodell nähen und anpassen
-Tragbares Probemodell als Bluse nähen für Feintuning
-Endgültiges Kleidunsstück nähen

Entwurf für Bluse und Kleid
Wesentliche Unterschiede zum Original Ceylon Dress sind:
-die Taillenpasse besteht aus 7 Teilen damit sie sehr figurnah und passend sitzt
-der Kragen wird zum Stehkragen
-das Mittlere Rückenteil soll nur oben gerafft werden

Zunächst habe ich meinen Grundschnitt abgepaust und die Bequemlichkeitszugaben hinzugefügt. Laut dem Buch "Gundschnitte" von Teresa Gilewska sollte das Armloch 2,5cm nach unten und die Seiten 2cm vergrößert werden. Mir kam das ziemlich viel vor, doch da steht, die Zugaben wären minimal. Also habe ich es einfach mal so gemacht.
Dann habe ich mir meinen Sloper angezogen und zwei Punkte markiert: die Tiefe des Ausschnitts und der Beginn der Taillenpasse unter der Brust. Diese habe ich auf meinen Papierschnitt übertragen und dann die Schnittlinien eingezeichnet die ich haben wollte:


Die Schulterpasse habe ich einfach so übernommen, den Mittelteil habe ich noch mal abgepaust und den seitlichen Abnäher nach unten rotiert woraus dann die Raffung wurde. Bei einem tiefen Ausschnitt muss außerdem ein Abnäher am Ausschnitt hinzugefügt werden, dessen Größe abhängig von der Tiefe des Ausschnitts und der Cup-Größe ist. Da ein Abnäher am Ausschnitt doof aussieht wird er weg rotiert. Ich habe daraus eine Falte im oberen Bereich gemacht.


Beim Rückenteil bin ich ähnlich vorgegangen, für die Taillenpasse musste noch der Rockgrundschnitt her, außerdem mussten überall noch die Nahtzugaben dran, dann hatte ich meine Teile für das Nesselmodell fertig:


Leider habe ich die Bilder von meinem ersten Nesselmodell versehentlich gelöscht :( Daher kann ich nur beschreiben, wie es war: 2cm an den Seiten als Bequemlichkeitszugabe war natürlich viel zu viel! Nachdem ich das abgesteckt hatte, saß es aber sehr gut. Am Stehkragen habe ich hinten noch Abnäher hinzugefügt, damit er schön anliegt. Das wars dann aber auch schon mit Passformänderungen. Vom Design her war mir mein Ausschnitt dann doch zu tief, der Stehkragen zu hoch, und die Raffung am Rückenteil war etwas von üppig. Nachdem ich die Anpassungen auf meinen Papierschnitt übertragen hatte, konnte ich den Ärmel konstruieren. Mein angepasstes Nesselmodell sah dann so aus:



Die letzten Fältchen habe ich mir für die tragbare Probebluse aufgehoben. Die zeige ich dann beim nächsten Mal!

Kommentare:

  1. Du machst das so ordentlich und geduldig dass ich immer wieder am Staunen bin.
    Dein Anspruch den Du an Dich selber stellt ist sehr hoch. Ich finde das ganz außerordentlich WIE Du Deine 100 % gibts, und die gibst Du immer. Dein hat einen schönen Stoff und das sitzt wirklich perfekt. Und es steht Dir einfach ...
    Danke fürs Hose abstecken ;-))
    Ganz liebe Grüße
    Sonja

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  2. Unglaublich, wie gut Du vorgegangen bist und so ein wunderbares Ergebnis erhalten hast! Ich stelle mir das sehr zeitaufwendig vor. Dein Kleid ist sehr schön geworden, den Ursprungsschnitt erkennt man sofort, es sitzt perfekt!
    Liebe Grüße, SaSa

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  3. Ui, das sieht ja super aus, das wird ein tolles Kleid.Das du so ein komplexes Modell aus dem Basisschnitt hinkriegst - alle Achtung!

    Ich gebe dir recht, dass man schlechte Passform nicht auf den Schnitthersteller schieben sollte, jeder Körper ist anders und es gibt sicher keinen Schnitt, der allen passen wird. Aber wenn ein Schnitt NIEMANDEM passt, wie bei Ceylon der Fall, dann gibt das schon zu denken. Allerdings gibt mir auch immer zu denken, dass das den meisten Näherinnen egal zu sein scheint. Die nähen den Schnitt runter, ziehen den Lappen an und finden es toll, was ich immer gar nicht verstehen kann, denn wenn ich mit 0815-Passform zufrieden bin kann ich auch fertige Klamotten kaufen.
    Ich bin sehr gespannt auf dein fertiges Kleid (und die Bluse natürlich auch).

    Liebe Grüsse
    Ingrid

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  4. Toll erklärt - ich habe sogar die Falte oben am Ausschnitt entdeckt. Dein Bericht ist sehr spannend zu lesen und weckt in mir den Wunsch, mir einmal selbst einen eigenen Grundschnitt zu erstellen. Liebe Grüße – Mrs Go

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  5. Großes Kino! Vielen Dank, dass du dein Wissen mit uns teilst. Das Kleid ist so schön geworden und passt dir 1a. Auch deine Projektzeichnungen bewundere ich sehr... Das will ich auch lernen!

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  6. Wow, alles aus dem Grundschnitt zu entwickeln ist anspruchsvoll!, so eine schöne Entwurfsskizze, das Probeteil sieht ja schon mal ziemlich passig aus, bin gespannt wie es weitergeht!
    Miau

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  7. Sehr, sehr toll!
    Schade, dass ich die Annäherung verpasst habe, das hätte ich gerne "live" gesehen!
    Liebe Grüße
    Katrin

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