Montag, 25. Mai 2015

Der Basisschnitt - Teil 1

Ich habe seit 3 Wochen nichts "richtiges" mehr genäht. Zum einen war meine Nähmaschine bei der Wartung, zum anderen habe ich beschlossen einen Basisschnitt anzufertigen.
Gründe waren meine Unzufriedenheit mit der Passform, insbesondere bei Schnitten die Ärmel enthalten und aus Webstoff sind. Auf meine Bildern sieht zwar alles ganz okay aus, aber ich ich habe definitiv zu wenig Bewegungsfreiheit, muss ständig aufpassen, dass mir nicht irgendwelche Nähte reißen und ich weiß schon länger dass ich eigentlich vorwärts rotierende Schultern habe, aber irgendwie hatte ich nie die Muse das mal anzupassen. Es nervt auch ständig eine FBA machen zu müssen und jedesmal bin ich mir doch wieder unsicher, wie viel ich machen sollte. Wenn man einen Grundschnitt hat, weiß man wie viel und wo man Anpassungen machen muss. Beziehungsweise, statt das x-te Schnittmuster mit Wiener Nähten anzupassen, einfach das eigene nehmen und nur Design-Elemente hinzufügen. Probeteile dürften dann ja entfallen ;-)

Ich bin ja ganz angetan von dem Buch "Fit for real People" wo man für jedes Fältchen die passende Anpassung findet. Dort wird auch beschrieben wie man so einen Basisschnitt erstellt. Man benötigt dafür ein extra Schnittmuster, dass es sowohl von McCalls als auch von Vogue und Butterrick gibt. Ich glaube von Simplicity und Burda gibt es das auch, weiß aber die Nummern nicht. Ich habe jedenfalls den McCalls Schnitt genommen, genauer gesagt McCalls 2718.


Das besondere an diesen Basischnittmustern ist, dass sie nur in einer Größe geliefert werden. Die Größe wählt man anhand des Oberbrustmaßes, bei mir Größe 10.

Der Schnitt hat besonders große Nahtzugaben, die Nahtlinien sind eingezeichnet, sowie sehr viele Stellen wo man etwas verlängern/verkürzen/verbreitern/verschmälern kann. Es gibt verschiedene Vorderteile mit Cup-Größen von A bis DD. Eine sehr ausführliche Anleitung ist auch dabei, so dass man das Buch nicht unbedingt extra braucht. Wenn man den Schnitt in Deutschland kauft, ist auch eine lustige übersetzte Anleitung dabei :) Als Bonus bekommt man noch einen Schnitt für ein Hemdblusenkleid, das allerdings Style-mäßig in den 90ern hängen geblieben ist.

Man beginnt damit das Schnittmuster aus Papier anzupassen, so genanntes "Tissue Fitting", um grobe Anpassungen zu machen. Ich habe mir extra mal wieder das Burda Seidenpapier gekauft, dass ist nämlich genauso fuddelig wie das Schnittmusterpapier und daher bestens für Anpassungen geeignet ;-)

Das Oberteil konnte ich ganz gut selbst fitten, ich habe D-Cup ausgewählt und dann eine ganze Menge Anpassungen vorgenommen. Unter anderem habe ich den Brustpunkt nach unten verschoben, die Seitennähte ausgelassen, zwischen Achsel und Schulter gekürzt und endlich mal meine vorwärtsrotierende Schulter angepasst. Den Ärmel musste ich verbreitern und dann kam ich nicht mehr alleine klar, beim Rock und bei den Schulternähten hat mir dann Muriel geholfen.


Nachdem alle Teile angepasst wurden, sahen sie dann so aus:

Vorder- und Rückenteil

Vorder- und Hinterrock
Ärmel

Ich habe alle Teile nochmal abgepaust, denn insbesondere das Vorderteil war kurz vorm auseinanderfallen ;-) und dann erstmal das Oberteil aus Nessel zugeschnitten, genäht und anprobiert. Auf den ersten Blick saß es ganz gut, nur an den Seiten zu weit. Aber dann habe ich gemerkt dass auch mein extra nach unten geschobener Brustpunkt wieder hoch musste :( Die Schulternähte waren minimal zu weit nach vorne rotiert. Nun ja, kleine Änderungen dachte ich, aber beim Rock und beim Ärmel wurde es echt absurd:


Man kann es vielleicht rechts erkennen, da sieht man wie viel zu weit der Rock geraten ist. Das waren auf jeder Seite 3cm! Mein Ellenbogenpunkt lag 3cm zu weit unten, insgesamt war der Ämel viel zu lang. Die Ärmelkappe habe ich da schon eingeschnitten, die war viel zu kurz, gut dass kann man mit dem Tissue Fitting halt schlecht vorab testen. Insgesamt waren die Abweichungen der Längen und breiten teilweise so gravierend, dass ich mir nicht ganz sicher bin ob es das Tissuefitting vorher echt bringt. Die Cup-Größe und auch die Abnäher am Po ließen andererseits sehr gut damit machen und sind auch sehr stimmig.

Die Seitennähte hat mir mein Freund abgesteckt, ich habe den Ärmel noch mal rausgetrennt und die Kappe höher gemacht, den Ärmel zwischen Achsel und Ellenbogen gekürzt.


Hinten habe ich  den Äußersten Rock-Abnäher entfernt und dafür erstmal in der Mitte was abgesteckt.


Das war gestern. Heute habe ich meine Schnittteile angepasst und alles nochmal ausgeschnitten und zusammengenäht.


Mit Rock dran habe ich nur ein Bild von hinten gemacht. Das sitzt jetzt alles schlechter als vorher :( Der Rücken ist zu lang, ich habe ihn verlängert, weil ich gestern noch den Eindruck hatte, er wäre zu kurz. Wohl doch nicht! Die Abnäher habe ich neu verteilt, aber das sieht irgendwie auch blöd aus. Vorallem staut sich Stoff oberhalb meines Pos an - nicht schön. Vielleicht auch echt nur mit einer Mittelnaht zu bezwingen, weil ich so einen Entenpo hab... Den Rock hab ich erstmal wieder abgetrennt und mich den Ärmeln gewidmet.


Von vorne sieht es echt kacke aus, muss ich mal sagen. Die Ärmel sind irgendwie doch zu weit und vorne schlagen sie vertikale Falten ohne Ende.


Von hinten sieht es etwas besser aus, allerdings sind mir die Falten in Achselnähe echt ein Dorn im Auge. Ich habe mir heute auf Twitter helfen lassen und mir wurde nahegelegt das Armloch noch mal zu überarbeiten. Denn das muss zuerst stimmen, dann konstruiert man den Ärmel. Ich dachte eigentlich mein Armloch war okay :(
Nun ja, wenn ich es mir so anschaue habe ich mein Kleid heute eher verschlimmbessert. Die Ärmel sind ganz schrecklich... Aber für heute soll es das mal sein. Ich brauche eine Pause!

Habt ihr schon einen Basisschnitt gemacht? Welche Grundlagen hattet ihr? Hatte ihr Hilfe von Profis? Und wenn ihr Tipps für mich habt, immer her damit ;-)

Kommentare:

  1. huch... da du ja um hilfe fragst... da sind so viele kleinigkeiten...
    fangen wir von oben an. im bereich des armloches sollte man so wenig wie möglich in der höhe reduzieren, sonst rutsch das armloch zu hoch, also 7mm-1cm maximum, was man da kürzen darf. die grösste höhenanpassung findet etwas über die taillelinie.
    da sind wir schon bei der taille. die ist auf allen fotos viel zu tief angeordnet.
    um die tallie zu bestimmen(hab ich mal in meinen tutorial gezeigt) benötigst du ein breites gummi,was sehr fest sitzt oder noch besser ein dünnen ledergürtel, den du fest ziehst.der gürtel rutscht automatisch in die natürliche taille(weil das der shcmalste punkt ist und der höhste punkt der kurve, die an der hüfte beginnt). die untere linie unterm gürtel IST deine taille. laut fotos hast du sie um 4-6 cm tiefer liegen.
    das fürt automatisch zu den falten (siehe foto hinten) und seitenwellen auf dem foto vorne.
    der rock:
    die innere abnäher liegt viel zu nah an der mitte. eigentlich darf man nur ganz wenig durch die mitte reduzieren. den überschuß sollte man immer möglichst an den seiten rausholen.und die lage und insbesonderen winkel der abnäher ändert man eh zur seite ,nicht zuur mitte, denn je grade läuft der abnäher, desto beulen-mässig kommt es unten an. also, man schafft damit zu viel volumen. die schräge lage im gegenteil glättet volumen raus.und so auch ohne naht sammelt sich jetzt auf der hüftelinie zu viel volumen.
    mach bitte dazu ein seitenfoto. du wirst sehen,dass der rock steigt oder stockt.
    die position der abnäher bezieht sich immer auf 1/10 brust umfang +0,5cm (laut müller).
    in den anderen system bewegt sich das mass, aber es bleibt ca bei 9-10 cm vom zentrum.
    und nochmal nach oben ,diesmal von hinten.
    das obere stück ist jetzt zu kurz geraten. um das zu korrigieren muss das armloch wieder rausgeschnitten werden.
    die länge vom armloch muss die ursprüngliche bleiben! ganz egal was du hinzufügst oder kürzt.
    d.h. wenn du oben kürzer machst, oder in die shculternaht etwas reinnimmst, musst du unten wieder dazu geben. die kurven vom armloch und ärmel sind extrem empfindlich. d.h. sie sind absolute simbiosen. wenn du an einer was änderst, muss die andere automatisch mitgeändert werden.
    so. wenn du etwas nicht verstanden hast- kannst du mich noch mal fragen.
    und bitte...
    das wichtigste überhaupt- foto von der seite.
    man sieht überhaupt nicht, wie die balance zwischen vorderteil und rückenteil aussieht. und die balance ist A und O bei passform.

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  2. Ich kann sewing Galaxie zustimmen.deine Taille ist höher, das muss du noch mal nachbessern, eventuell nimmt mal jemand echt genau mass.
    Die Ärmeln sind definitiv zu viel in der Masse. Ich hätte die weitenzugabe wieder rausgenommen und die armkugel um 1 cm höher gemacht, und das bei der Schulter wieder abgezogen.
    Und bei den Abnäher muss ich auch recht geben.nicht in der Mitte die weite rausnehmen sondern immer zur Seite. ..
    Das wird schon.aber es ist nervig.
    An meinem Hemden schnitt hab ich 4 Modelle genäht, bis es so war das es passte...
    Daumen drück !

    Liebe grüße
    Stella

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  3. Ja, das ist nervig! Glaubt man nicht wie lange und schwierig sowas sein kann!
    Man kann sich Hilfe holen und sich begleiten lassen, aber die Arbeit bleibt einem trotzdem selbst. Dafür lernt man aber eine Menge!

    Bei mir war es wie bei Stella: Ich bin immer wieder auf Reset und habe neu begonnen wenn ich die Orientierung verloren hatte. Wenn man startet macht es Sinn eine bestimmte Reihenfolge bei den Änderungen einzuhalten. Die Balance Vorne/Hinten, also die Lage der Schulternaht kommt immer zuerst. Der Bereich Schulter/Arm ist sowieso das schwierigste.

    Wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

    Liebe Grüße
    Immi


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  4. Schau mal hier: http://sewinglondon.co.uk/fun-fit-part-1/ Dort ist in mehreren Posts beschrieben, wie man solch einen Basisschnitt anpasst. Vielleicht ist ja das ein oder andere dabei, was Dir hilft. Ich wünsche Dir ganz viel Geduld und Erfolg. Ich hab das auch schon lange vor und schieb es immer wieder vor mir her....

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  5. Wirklich gute Hilfe kann ich Dir nicht anbieten, da ich ja selber nur lerne.
    Einen Grundschnitt habe ich mir mal für eine Hose erstellt. Das war eine langwierige und nervige Prozedur....
    Aber ich wünsche Dir viel Geduld und vor allem Erfolg!!!!
    Und ich lese gerne weiter mit.
    Liebe Grüße
    Susan

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  6. Was mich immer wieder wundert wenn ich Blogs lese, ist, daß scheinbar niemand die Bücher von Teresa Gilewska kennt und verwendet. Dort wird in Band "Grundschnitte" und in Band "Schnittabwandlungen" jeweils gleich vorn ein Oberteilgrundschnitt konstruiert. Allerdings ist auch das nicht ganz einfach. Es führt aber zu einem guten Ergebnis. Viele Grüße Regina

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